Donnerstag, 30. Juli 2026

Banking

Verhaltene Zinsweitergabe: Kaum Banken geben EZB-Anhebung beim Tagesgeld weiter

Trotz des jüngsten Zinsschritts der Europäischen Zentralbank profitieren Sparer kaum von besseren Konditionen. Eine aktuelle Datenerhebung zeigt, wie stark die Kreditinstitute die zusätzlichen Margen für sich behalten.

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Von Hendrik Janssen

Redaktion Banking · · 2 Min.

Verhaltene Zinsweitergabe: Kaum Banken geben EZB-Anhebung beim Tagesgeld weiter
Bild zur Meldung: Verhaltene Zinsweitergabe: Kaum Banken geben EZB-Anhebung beim Tagesgeld weiter

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Mitte Juni ihren Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf ein Niveau von 2,25 Prozent angehoben. Durch diesen Schritt erzielen Finanzinstitute höhere Zinserträge, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank hinterlegen. Anstatt diesen finanziellen Vorteil direkt an die Sparer weiterzugeben, verbleibt der zusätzliche Gewinn jedoch in den meisten Fällen bei den Banken selbst.

Wie zögerlich die Geldhäuser tatsächlich agieren, zeigt eine aktuelle Untersuchung des Vergleichsportals Biallo. Die Analysten haben überprüft, welche Anbieter den jüngsten Zinsschritt der Notenbank zeitnah an ihre Kundschaft weitergereicht haben. Das Ergebnis der Auswertung fällt für Anleger im Bereich des Tagesgelds spürbar negativ aus.

Gegenwind für Sparer bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken

Für die Marktanalyse wurden die Daten von insgesamt 168 überregionalen Kreditinstituten, 339 Genossenschaftsbanken sowie 293 Sparkassen herangezogen. Aus diesem breiten Spektrum haben in den zwei Wochen nach dem EZB-Beschluss lediglich zwölf Institute ihre Tagesgelsätze um mindestens 0,20 Prozentpunkte nach oben angepasst.

Besonders deutlich zeigt sich die Zurückhaltung im regionalen Sektor: Unter den wenigen Dienstleistern, die eine spürbare Zinserhöhung vornahmen, befand sich zum Auswertungszeitpunkt weder eine genossenschaftliche Volksbank noch eine Sparkasse. Die beiden großen Säulen der regionalen Kreditwirtschaft ließen die Anpassung somit fast vollständig ausfallen.

Verlässlichkeit von Zinsentwicklungen im Blick

Ziel der Erhebung von Biallo war es auch zu bewerten, wie verlässlich Bankkunden an den Zinszyklen der Notenbank partizipieren. Wenn Institute sowohl Senkungen als auch Steigerungen der EZB-Sätze gleichermaßen zügig an ihre Sparer weitergeben würden, ließe sich ein ständiger Wechsel der Bankverbindung vermeiden. Solch ein dauerhafter Wechsel von einem Anbieter zum nächsten, auch als Zinshopping bezeichnet, ist für Kunden mit erheblichem Aufwand verbunden.

Einordnung der Redaktion: Die Trägheit der deutschen Bankenlandschaft bei der Anpassung von Tagesgeldzinsen verdeutlicht die Marktmacht etablierter Institute, die nicht gezwungen sind, im Wettbewerb um Kundengelder sofort zu reagieren. Für Sparer bedeutet dies weiterhin, dass sie Konditionen aktiv vergleichen müssen, da vor allem regionale Institute die gestiegenen Margen zur Stärkung der eigenen Ertragskraft nutzen, statt sie zügig an die Einleger auszuschütten.

Eigenständig verfasst von der Marktblick-Redaktion. Recherchegrundlage: n-tv NACHRICHTEN. Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.

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