Mittwoch, 28. Oktober 2026

Mittelstand

Das Prinzip „Verantwortung im Ungewissen“: Was den deutschen Mittelstand jetzt krisenfest macht

In Zeiten von Bürokratie und steigenden Kosten beweist der schwäbische Mittelstand Resilienz. Die Verleihung des UVS-Awards an Richard Skoberla verdeutlicht, wie wichtig die Verbindung aus regionalen Wurzeln und globalem Weitblick für den wirtschaftlichen Erfolg ist.

DS

Von Dr. Stefan Hirsch

Als ehemaliger Investmentbanker analysiert Dr. Stefan Hirsch die globalen Finanzmärkte mit scharfem Blick fürs Detail. Seine fundierten Analysen helfen Lesern, komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge schnell zu verstehen. · · 3 Min.

Das Prinzip „Verantwortung im Ungewissen“: Was den deutschen Mittelstand jetzt krisenfest macht
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Die konjunkturelle Großwetterlage in Deutschland ist derzeit von tiefem Pessimismus geprägt. Steigende Energiekosten, lähmende Bürokratie und geopolitische Unsicherheiten belasten die Wirtschaft im DACH-Raum schwer. Doch abseits der großen Dax-Konzerne, in den regionalen Herzkammern des deutschen Mittelstands, regiert oft ein ganz anderer Geist: ein Pragmatismus, der auf Eigenverantwortung und langfristiger Stabilität beruht. Ein Musterbeispiel für diese Haltung lieferte jüngst das 10. Stelldichein des Unternehmerverbands Landkreis Sigmaringen (UVS) in der Stadthalle Sigmaringen.

Vor rund 150 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung – darunter hochkarätige Vertreter wie die Erste Landesbeamtin Claudia Wiese und der Illmenseer Bürgermeister Michael Reichle – wurde dort ein Mann geehrt, dessen Karriereweg sinnbildlich für den Erfolg des süddeutschen Unternehmertums steht: Richard Skoberla, Geschäftsführer der Systronik Elektronik und Systemtechnik GmbH aus Illmensee. Er erhielt den renommierten UVS-Award „Unternehmergeist 2026“.

### Führen ohne alle Antworten zu kennen

UVS-Präsident Markus Kleiner brachte die aktuelle Herausforderung der Wirtschaft in seiner Rede prägnant auf den Punkt: „Unternehmertum bedeutete schon immer, Verantwortung zu übernehmen, bevor man alle Antworten kennt.“ In einer Phase, in der viele Konzerne vor regulatorischen Hürden kapitulieren oder Investitionen ins Ausland verlagern, fordert diese Haltung Mut.

Für private Anleger und Wirtschaftsbeobachter liefert dieser Ansatz eine wichtige Erkenntnis: Die Resilienz des deutschen Mittelstands basiert nicht auf staatlichen Subventionen, sondern auf der Flexibilität inhabergeführter oder tief in der Region verwurzelter Betriebe. Sie sind in der Lage, auch in dichten Nebellagen Kurs zu halten, weil ihre Entscheidungswege kurz und ihre Bindungen an Mitarbeiter und Standorte langfristig ausgelegt sind.

### Wurzeln und Weitblick als Geschäftsmodell

Wie ein solches Modell in der Praxis aussieht, zeigt die Vita des Preisträgers Richard Skoberla. Bereits 1988 kam er als Diplomand zu Systronik, seit 2007 führt er die Geschäfte des Spezialisten für Messtechnik. Das Unternehmen fertigt unter anderem hochpräzise Geräte für Schornsteinfeger sowie für Heizungs- und Sanitärbetriebe – eine Nische, die durch die Energiewende und neue Umweltauflagen relevanter ist denn je.

UVS-Vizepräsident Mario Zirn betonte in seiner Laudatio das Leitwort des Preises: „Wurzeln & Weitblick“. Skoberla verkörpere diese Symbiose perfekt. Einerseits fest mit dem Standort Illmensee verbunden, treibe er andererseits kontinuierlich Investitionen und zukunftsfähige Technologiethemen voran. Systronik, zudem Gründungsmitglied des UVS, zeigt, dass globale Innovationskraft keine Metropolenlage erfordert. Für den DACH-Raum sind solche „Hidden Champions“ das eigentliche wirtschaftliche Fundament.

### Wandel in der Verbandsführung

Neben der Würdigung Skoberlas stand die Veranstaltung auch im Zeichen des personellen Wandels. Der UVS verjüngt seine Führungsstrukturen, um den neuen Herausforderungen der Digitalisierung und Dekarbonisierung zu begegnen. Die langjährigen Vorstandsmitglieder Günter Stecher und Steffen Braun schieden aus dem Gremium aus. Neu im Vorstand begrüßt wurden Markus Würzburg, Christoph Konze und Henry Werz.

Dieser geordnete Generationenwechsel auf Verbandsebene spiegelt wider, was auch in vielen mittelständischen Betrieben derzeit ansteht: der Übergang zu einer neuen Generation von Führungskräften, die den Spagat zwischen bewährten analogen Qualitätsstandards und digitaler Transformation meistern müssen.

### Fazit: Ein Signal der Zuversicht für den Standort

Das Treffen in Sigmaringen sendet ein wichtiges Signal an den Markt: Trotz des lauter werdenden Klagelieds über den Standort Deutschland ist die Substanz des Mittelstands intakt. Solange Unternehmer bereit sind, Risiken einzugehen und „Verantwortung im Ungewissen“ zu übernehmen, bleibt die Region ein Hort der Stabilität. Für Investoren, die auf nachhaltige Wertschöpfung statt auf kurzfristige Hypes setzen, bleiben diese oft im Verborgenen blühenden Unternehmen der wahre Anker der Realwirtschaft.

Eigenständig verfasst von der Marktblick-Redaktion. Recherchegrundlage: Schwäbische Zeitung. Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.

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