Die jüngste geldpolitische Straffung der Europäischen Zentralbank kommt bei den deutschen Sparern kaum an. Obwohl die Institute von den gestiegenen Einlagenzinsen der Notenbank profitieren, verbleiben die zusätzlichen Zinserträge größtenteils bei den Banken selbst, anstatt in Form von höheren Tagesgeldzinsen an die Kundschaft weitergegeben zu werden.
Zuvor hatte die Europäische Zentralbank Mitte Juni den Einlagenzins um weitere 0,25 Prozentpunkte angehoben, wodurch dieser auf einen Stand von 2,25 Prozent stieg. Für Geschäftsbanken bedeutet dies eine höhere Vergütung, wenn sie überschüssige Liquidität bei der Notenbank parken. Theoretisch eröffnet dies Spielraum für eine marktkonforme Anpassung der Sparzinsen.
Biallo-Untersuchung offenbart enorme Zurückhaltung
Wie stark Theorie und Praxis im deutschen Bankensektor voneinander abweichen, belegt eine aktuelle Erhebung des Vergleichsportals Biallo. Die Analysten untersuchten das Zinsverhalten von insgesamt 168 überregionalen Banken, 339 Genossenschaftsbanken sowie 293 Sparkassen in den zwei Wochen unmittelbar nach der geldpolitischen Entscheidung der Notenbank.
Die Ergebnisse fallen für die Sparer ernüchternd aus. Von den insgesamt 800 untersuchten Finanzinstituten passten lediglich zwölf Anbieter ihre Konditionen für das Tagesgeld nennenswert an. Nur diese kleine Gruppe erhöhte die Sätze für die flexiblen Einlagen nach dem EZB-Schritt um mindestens 0,20 Prozentpunkte.
Regionale Geldhäuser meiden Zinsanpassungen
Besonders auffällig prallt die Erhöhung an den regional verankerten Instituten ab. Unter den zwölf Banken, die den Zinsschritt der Zentralbank weitgehend an ihre Kunden weitergereicht haben, befindet sich keine einzige Sparkasse und auch keine der genossenschaftlichen Volksbanken. Die Zinsvorteile verharren somit fast flächendeckend bei den regionalen Anbietern.
Einordnung der Redaktion: Die Zurückhaltung der hiesigen Kreditinstitute verdeutlicht eine bewusste Strategie zur Margensicherung. Während die Europäische Zentralbank mit ihren Maßnahmen die Attraktivität des Sparens erhöht, nutzen die Banken und Sparkassen die Trägheit des Marktes, um die eigene Profitabilität im Einlagengeschäft auf Kosten der Verbraucher zu stärken.
