Der deutsche Aktienmarkt findet derzeit keine klare Richtung. Bereits am dritten Handelstag hintereinander zeigt sich der DAX kaum verändert und verbleibt in einem engen Korridor unterhalb der im Januar erreichten Marke von 25.507 Punkten.
Sogar die Flut an neuen Quartalszahlen, die am Donnerstag eigentlich für frischen Schwung auf dem Parkett sorgen sollte, verfehlte ihre Wirkung. Statt neuer Kaufimpulse breitete sich unter den Anlegern angesichts der gemischten Unternehmensdaten eine spürbare Verunsicherung aus.
US-Leitzins verharrt auf hohem Niveau
Zusätzliche Dämpfer kamen von der geldpolitischen Front aus Übersee. Die US-Notenbank Federal Reserve entschied sich zum fünften Mal in Folge gegen eine Zinssenkung und beließ den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent.
Ein rascher Kurswechsel hin zu lockereren Kreditkonditionen ist jedoch nicht ausgemacht. Das Abstimmungsergebnis von 9 zu 3 Stimmen gegen eine Erhöhung verdeutlicht, dass im Ratsgremium weiterhin Sorgen über einen anhaltenden Preisdruck herrschen. Als maßgeblichen Risikofaktor für die Inflation nannten die Währungshüter ausdrücklich die jüngst gestiegenen Energiepreise.
Geopolitische Risiken belasten Unternehmenserwartungen
Diese Sorgen spiegeln sich auch in den Konjunkturumfragen des Münchner Ifo-Instituts wider. Die Preiserwartungen der deutschen Unternehmen sanken im Juli insgesamt auf einen Wert von 21,6 Punkten, nachdem im Vormonat noch 26,1 Zähler registriert worden waren.
Allerdings zeigt die Befragung eine deutliche Dynamik im Zusammenhang mit der jüngsten Eskalation im Nahen Osten, die durch einen abgefangenen iranischen Raketenangriff auf US-Stützpunkte in Jordanien ausgelöst wurde. Firmen, die vor diesem Ereignis am 10. Juli antworteten, planten weitaus seltener Preiserhöhungen als die nach dem Vorfall befragten Betriebe, auf den der US-Politiker Donald Trump mit der Ankündigung harter Gegenmaßnahmen reagierte.
Einordnung der Redaktion: Die anhaltende Lähmung am deutschen Aktienmarkt demonstriert, wie empfindlich die Börsen auf das Zusammenspiel von Geldpolitik und Geopolitik reagieren. Solange die Energiepreise durch die Nahost-Spannungen unberechenbar bleiben, wird auch die US-Notenbank Fed ihren restriktiven Kurs nicht voreilig aufgeben. Für Anleger bedeutet dies ein anhaltendes Patt: Die Hoffnung auf sinkende Zinsen weicht der Realität anhaltender Inflationsrisiken, was den DAX bis auf Weiteres in seiner engen Trading-Range gefangen hält.
